Wahlsonntag

Nun ist es soweit: Wahlsonntag. Für mich der Moment um die vergangenen Monate Revue passieren zu lassen. Sorry, das wird jetzt etwas mehr Text.
Triggerwarnung: Ja ich verwende nautische Metaphern, soll mich mal einer versuchen aufzuhalten. 😜
Als ihr, liebe Piraten mir durch die Wahl beim Bundesparteitag den Auftrag erteilt habt, für uns in den Wahlkampf zu ziehen habt ihr viel Vertrauen in mich gesetzt. Obwohl mancher Pirat das Konzept „Spitzenkandidat“ sicherlich nicht direkt für sinnvoll hielt habt ihr es trotzdem gewagt. Damit habt ihr mir förmlich das lebende, schlagende Herz unserer Partei in die Hände gelegt. Dieser großen Verantwortung war ich mir zu jedem Zeitpunkt, bei jeder Rede und jedem Infostand bewusst. Mir war es dabei immer wichtig zu verkörpern wofür wir stehen und unseren ehrlichen Einsatz nach Außen zu tragen. Menschen dazu einzuladen, uns neu kennen zu lernen.

Die vergangenen Monate bin ich quer durch unser schönes Land gereist (und darüber hinaus) und überall durfte ich Piraten kennen lernen die sich mit Eifer in den Wahlkampf gestürzt haben. Von riesengroßen Events wie in München zur Christopher-Street-Day-Parade über abgedrehten Spaß auf der Gamescom bis hin zu ganz kleinen Infoständen mit nur einer knappen Handvoll Aktiver, überall war unsere Piratenflagge gehisst und hat mich schon von weitem begrüßt. Selbst eine ganz kleine Gruppe [edit: die Elzpiraten sind zu klein um ein KV zu sein] schaffte es, mit seiner „Piradtour“ die Twittercharts zu dominieren und dadurch den Spaß und die Lebensfreude mit vielen anderen zu teilen. Egal wo ich war, überall konnte ich mir sicher sein eine freie Koje, vorbereitete Aktionen und eine nette Crew vorzufinden (die mich auch einsammelt wenn die Navigation nicht ganz so präzise verlief wie geplant).

Zusätzlich konnte ich mir immer sicher sein, dass egal was ich brauche mindestens ein passender Pirat zur Stelle sein würde. Videoschnitt, Soundoptimierung, Recherche, Administration, Fahrdienst, Wahlkampfmaterial, Unterschriftensammlung, uvam alles stand mir über unser Netzwerk direkt zur Verfügung. Dadurch, dass ihr alle stets (naja bis auf Edgeland) nur einen Tastendruck entfernt wart konnte ich mich ganz auf meine Aufgaben konzentrieren und hatte euch mit dabei. Und dabei spielte es keine Rolle ob jmd nun BuVo, Spitzentrio, Wahlorga, LaVo, Spezialbeauftragte, Kandidat oder Basispirat war, jeder hat an seiner Stelle mit dazu beigetragen, diesen doch wirklich anstrengenden Wahlkampf zu stemmen. Keine Anfrage war zu speziell und keine Uhrzeit zu ungewöhnlich, als dass ich nicht sofort Unterstützung hatte. Und genau dafür möchte ich euch Danke sagen. Auch wenn wir uns manchmal untereinander fetzen, so haben wir doch die ganzen Monate über bewiesen, dass wir eine funktionierende Mannschaft sind die es schafft ihrem inneren Kompass zu folgen. Und glaubt mir, ich weiss wie schwer dies in der ein oder anderen Situation vielen Piraten tatsächlich gefallen ist.

Ja, wir segeln durch die politische Hölle. Ja, es kommt Gegenwind. Aber wir wissen wo wir hin wollen, also Scheiss drauf, dann kreuzen wir eben!

Wenn ich nun zu jedem etwas persönlich schreiben würde würde ich noch tagelang hier sitzen. Bitte fühlt euch alle gedrückt. Nur zu ein paar wenigen möchte ich ein kurz extra Worte verlieren weil es mir wichtig ist, dass ihr Einsatz nicht ungesehen bleibt.

Spitzentrio
Lieber René, lieber Sebastian es war mir eine Ehre, mit euch zusammen an der Spitze unseres Wahlkampfes zu stehen. Das Vertrauen und der Rückhalt in unserem Trio waren einmalig. Ich kann es kaum erwarten, euch in Regensburg wieder zu sehen. Viel zu selten waren wir tatsächlich persönlich am selben Ort.

Pakki
Klar, als BuVo und Landesspitzenkandidat musstest du dich per se sowieso um den Wahlkampf kümmern. Aber diese Energie, die Du dafür aufgebracht hast, die 24/7 Erreichbarkeit und das ständige Vermitteln und Anschieben waren wirklich unglaublich. Du warst für uns Kandidaten stets eine funktionierende Schnittstelle zum BuVo uvm. Wenn das mit dem Micro-Managing, dem Deligieren von Aufgaben und dem „Händchen für ungute Ideen“ noch besser wird, dann musst du dich dabei nicht immer derart selbst verbrennen. Du fängst immer die Prügel für uns ein und bleibst trotzdem motiviert. Chapeau und danke.

Pascal
Ich hätte bis letztes Jahr nicht gedacht, dass wir einen eigenen Pressesprecher benötigen. Nachdem ich aber erleben durfte, wieviele Anfragen uns Piraten erreichen   und was Du alles leistest bin ich mir sicher, wir hätten es nicht bewältigen können ohne Deinen Einsatz. Auch unser Auftreten der Presse gegenüber wurde durch Dich sehr professionalisiert. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie Du das mit der Erreichbarkeit intern/extern hin bekommst. Danke Dir!

Wahlorga
Wir haben eine, sie hat funktioniert und darüber hinaus die ganze Zeit über durchgehalten. Ich habe ja nur einen Bruchteil eures Kommunikationsaufkommens und der Aufgaben mit bekommen und habe trotzdem den Eindruck dass ihr geschuftet habt bis über jedes gesunde Maß hinaus. Danke fürs Durchhalten und eure ausgleichende Art, ich weiss, dass ihr uns mehrfach den Arsch gerettet habt (und sicher auch gern versohlt hättet).

Elias
Ich wusste manchmal nicht, ob ich dich knuddeln oder schütteln soll. Aber umgekehrt ging es Dir mit uns wohl genauso. Du hast uns deine Hilfe angeboten, die Wahlkampfkampagne konzipiert und viele viele zusätzliche Aufgaben übernommen um alles noch einigermaßen innerhalb der Deadlines zu halten. Dazu hast Du uns weitere Unterstützer besorgt und so die Grundlagen für unsere gesamte Kampagne geschaffen. Und ja, der Wahlwerbespot ist wirklich professionell geworden, wie Du versprochen hattest. Sieh es uns bitte nach, dass wir manche Ideen nicht mit tragen konnten, vielleicht hätte uns da mehr Mut tatsächlich gut gestanden. Danke Dir für alles, was Du für uns getan hast, deine Kreativität, deine Zeit (wegen uns „Burning Man“ verpassen OMG) und dass Du so fest an uns geglaubt hast die ganze Zeit über.

Falk
Der für mich wohl wichtigste Unterstützer, wenn er sich auch stets im Hintergrund gehalten hat. Mein lieber Ehemann hatte die recht anstrengende Aufgabe dafür zu sorgen dass ich stets pünktlich (trotz Stau oder Zugverspätungen), vorzeigbar (komplett angezogen und nicht vom Wind zerzaust), mit der richtigen Rede (“ mir fällt aber üüüüberhaupt nichts ein!“) am richtigen Ort bin („Karlsruhe, nicht Frankfurt!!“). Vorzugsweise auch noch gut gelaunt. Ganz zu schweigen davon, dass er jeden meiner Ausbrüche ertragen hat, die nach „leider, leider abgesagten“ Terminen durchaus herausfordernd sein konnten. 😅 Ohne Deine bedingungslose Unterstützung wären die letzten Monate so definitiv nicht möglich gewesen. Und dass Du Dich selbst nur als „Anjas Chauffeur“ betitelt hast wird dem Ganzen nicht einmal im Ansatz gerecht.

Dies gilt für alle Piraten: Drückt eure Liebsten, ich bin mir sicher, dass so mancher Angehörige zu kurz kam in letzter Zeit. Gut, dass ich kein Video drehe, jetzt heule ich tatsächlich noch vor Rührung. Naja, putzt einfach den Bildschirm ab, ja?

In den letzten Tagen erhielt ich nun immer wieder liebe Nachrichten. Ja, mir hat es Spaß gemacht, den Wahlkampf zu machen. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte wäre es natürlich unser Einzug in den Bundestag. Und dankt nicht mir, denn ein Geschenk das habt ihr mir bereits gemacht: Ich durfte einen Piraten-Sommer erleben der voll war von Kampfgeist, Motivation und Zusammenhalt. Egal was wir heute Abend an Stimmen bekommen werden, dieser Wahlkampf hat uns geformt und mir gefällt wie wir uns entwickelt und zusammen gefunden haben.

Nun heisst es zunächst die nächste Landtagswahl zu stemmen („winter is coming“ und es gibt noch viele Piraten-Eiskratzer zu verteilen), bevor wir uns beim Bundesparteitag im Oktober hoffentlich persönlich wieder sehen. Danach können wir uns daran machen, einige interne Arbeiten zu leisten und auch ein wenig zu verschnaufen.

Apropos verschnaufen: Mit der Schliessung der Wahllokale ist meine Aufgabe als Spitzenkandidatin abgeschlossen. Ich werde mir etwas gönnen, dass ich sehr lange nicht mehr hatte. Einen komplett freien Abend. Offline und ohne Telefon. Die Ergebnisse kann ich dann immer noch morgen in Ruhe diskutieren. Und ja, ich darf das. Oder hat sich je ein Pirat etwas vorschreiben lassen?

 

4 Gedanken zu „Wahlsonntag

  1. toller Einsatz, Anja! Wie haben deine hohe Kreativität und dein unermüdliches Engagement und diesenwunderbaren Optimismus sehr geschätzt, und da spreche ich (glaube ich) für viele. Auch die Vorträge aus unserem Wahlprogramm und den Manifesten ganz wunderbare Inspiration, wie man nicht nur aus dem Nichts eine tolle Kampagne aus dem Boden stampft, sondern dabei viele andere mitreisst und motiviert.

    Ganz herzlichen Dank!!

    Bleib uns treu, Gruß auch an deine Mitstreiter, die sich ebenso reingehängt haben. Ein Spitzenteam im Dienst an der Basis, genauso wie viele andere, die du nicht alle erwähnen konnten –
    endlich ist die Piratenpartei wieder die größte Rampensau unter den nicht (!) etablierten Parteien.

    Excellence.

    Best regards,

    Martin Bernhardt,
    Piraten Leopoldshöhe
    http://www.dynamic-applications.com

  2. Ahoi Anja!
    Erstmal Danke für Dein Engagement als Kandidatin, das ich hier stellvertretend auch für alle anderen angetretenen Kandidaten verstanden haben möchte.
    Das Ergebnis, das wir hier jetzt vor uns liegen haben, ist ernüchternd und erschütternd – ganz gleich ob wir den Einzug der AfD mit knapp 13% in den Bundestag oder unser eigenes Resultat mit 0,4% der Stimmenanteile betrachten. Da in meinem Kreisverband bereits heute früh die erste Austrittserklärung eingetrudelt ist möchte ich jedoch sagen: für mich ist Aufgeben keine Option und gerade in der aktuellen Lage die schlechtmöglichste Entscheidung. Was wir jetzt brauchen ist das engagierte Zusammenstehen aller demokratischen Kräfte in unserem Land, und dazu zähle ich vor allem uns von der Piratenpartei. Keine andere Partei hat wie wir die Notwendigkeit einer freien, pluralistischen Gesellschaft auf dem Boden von Bürger- und Freiheitsrechten verstanden. Wer sonst soll dem derzeit grassierenden Wahnsinn Einhalt gebieten, wenn nicht wir?
    Die Zuströme der AfD resultieren aus der Polarisierung und Spaltung unserer Gesellschaft, für die nicht nur die üblichen Xenophoben, sondern auch die etablierten Parteien der CDU/CSU in großem Maße verantwortlich sind. Diese haben gestern Abend ihre Quittung bekommen, ohne jedoch den Grund zu verstehen. Wir werden in den kommenden vier Jahren – egal unter welcher Regierung – einen deutlichen Rechtsruck der Bundespolitik erleben, die konsverativen Parteien werden versuchen die Wähler von der AfD zurückzugewinnen indem sie deren Positionen (in schönere Worte verpackt) adaptieren. Was das für unsere Gesellschaft bedeuten wird, kann sich jeder von uns ausmalen.
    Ja, wir sind (leider immer noch viel zu) wenige und unsere Stimme der Vernunft geht in dem lauten Panikgeschrei von Populisten und Panikmachern unter. Unsere einzige Antwort darauf kann sein: Durchhalten, nicht aufgeben, weitermachen. Und genau das werde ich tun. Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht hat man nichts zu verlieren, sondern kann im Gegenteil nur gewinnen.
    In diesem Sinne: Durchatmen, Kraft sammeln – und dann noch energischer als zuvor weiterkämpfen.

    Sail ho!
    Andreas

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