Fragebogen: ADFC

Antworten zu den Fragen des ADFC

1. Zu dem schon bei der Veranstaltung thematisierten 20%-Ziel der Stadt Ulm bis 2020 bitten wir um eine Präzisierung. Viel wurde in Ulm in den letzten Jahren bereits für den Radverkehr getan. Eine erkennbare Steigerung des Radverkehrsanteils ist bisher allerdings nicht feststellbar (lt. der Studie der TU Dresden „Mobilität in Städten – SrV 2013“ bei 10,7%). Die verbleibenden 5 Jahre zur Umsetzung dieses von der Stadt Ulm selbst gesteckten Ziels fallen in die Amtszeit unserer/unseres kommenden OB. Wie gedenken Sie, diesem Ziel als OB näher zu kommen und dem Fahrrad in unserer Stadt zu einem merklichen Durchbruch zu verhelfen?

Zunächst müssen natürlich alle Maßnahmen mit den bereits beschlossenen abgestimmt werden, dies ist mir momentan noch nicht möglich.
Ansonsten muss das gesamte Radwegenetz evaluiert werden, um Gefahrenstellen zu identifizieren und ein durchgängiges Netz ohne “Lücken” zu schaffen, das auch mit Kindern gut zu befahren ist.
Die Umgestaltung des Donauufers muss intelligent angegangen werden. Besonders an den “Engpässen” u.a. bei der Donaubastion / Schulgelände.
Das Konzept der Busspurnutzung, wie es andere Städte vormachen, würde ich definitiv für Ulm prüfen lassen und bei Eignung umsetzen.
Am Hauptbahnhof muss ein Elektro-Bike-Verleih eingerichtet werden.
Die Unterstell- und Parkmöglichkeiten im gesamten Stadtgebiet für Fahrräder müssen ausgebaut und verbessert werden. Ziel: Parken können wo man einkauft.
Zusammen mit Firmen u.a. im Science Park E-Bike-Patenschaften anregen.
E-Bike-Verleih an “Park&Bike” Standorten.
Bei Parkhäusern Fahrradetage vorsehen für wetterfesten Unterstand inkl. eigener Fahrrad-Zufahrt (u.a. in Japan überall üblich)

2. Die mit einer Steigerung des Radverkehrsanteils zwangsläufig verbundene Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs erfordert das Setzen von Prioritäten und eine Umgestaltung im Verkehrsraum unserer Stadt. Wo sehen Sie dazu Ansatzpunkte?

Bauliche Maßnahmen, die eine sichere Radspur ermöglichen. (Negativbeispiele: Söflingen an der Wendeschleife, Wiblingen beim Kloster, Böfingen)
Konsequente Förderung des ÖPNV als Alternative zum MIV.
Bei der Bahnhofsplanung inkl. Straßenführung Fahrradspuren fest einplanen.
Auch Brücken benötigen ordentliche Radspuren.

3. Wie beurteilen Sie die derzeitige finanzielle und personelle Ausstattung der Stadt, die zur Gestaltung des Radverkehrs zur Verfügung steht?

Hier habe ich leider keinerlei Einblicke in die Zahlen der Stadt.

4. Der im Herbst 2014 vom ADFC in allen deutschen Städten durchgeführte Fahrradklima-Test bewertet Ulm u.a. überdurchschnittlich im Bereich der Radverkehrsförderung, bemängelt aber am meisten die fehlende Verfügbarkeit öffentlicher Fahrräder. Wie stehen Sie zur Einrichtung eines Fahrradverleih-Systems in Ulm, auch wenn dieses Zuschüsse erfordern würde?

Defintiv ja, es gibt auch vom Land BaWü verschiedene Modelle hierzu, die ich sehr interessant finde und für Ulm geeignet halte.

5. Für welche Straße(n) in der Innenstadt halten Sie eine wesentliche Aufwertung des Radverkehrs für dringend erforderlich?

u.a. Friedrich-Ebert-Str., Münchner-Str., Heidenheimer-Str., Ludwig-Beck-Str., Einsteinstr., Donautal, Illerstr. (B311), usw.

6. Können Sie sich vorstellen, dass die momentane Planung im Bereich des Bahnhofsvorplatzes zu Gunsten des Radverkehrs noch verbessert werden kann?

Das Thema Reduzierung der Autospuren der Fr.-Ebert-Str. ist für mich noch nicht vom Tisch.
Die Piraten haben schon mehrere Vorschläge gemacht – von Untertunnelung im Zuge der Tiefgarage bis hin zu Shared Space. Realistisch ist aber wohl nur eine 2-spurige Straße. Dadurch entsteht Platz auch für den Radverkehr mit sicherem Abstand von den Autos.

7. Wichtige Verkehrswege in der Innenstadt, wie die Karlstraße oder Frauenstraße, werden zur Zeit umgebaut und mit breiten Fußwegen versehen, während Radfahrer/innen auf eine Fahrspur mit den Autos verwiesen werden (z.T. verbunden mit einer Tempo 30-Regelung). Wie bewerten Sie diese Form der Verkehrsplanung?

Ich halte dies für den falschen Weg. Es ist kein konsequenter Schutz der Radler möglich, gerade Familien werden diese Strecken meiden (müssen). Es wird mehr Konflikte mit Autofahrern geben durch die höhere Verkehrsdichte.

8. “Grey Tsunami” nennt der renommierte dänische Stadtplaner Jan Gehl die kommende demografische Entwicklung, bei der sich immer mehr ältere Menschen in der Stadt bewegen werden. Wie wollen Sie sich auf diese Entwicklung und den damit verbundenen erhöhten Platzbedarf durch Rollatoren, Rollstühle, Pedelecs usw. einstellen?

Barrierefreiheit in der gesamten Stadt fördern, besonders an großen Kreuzungen die Ampeltaktung überprüfen, Kurzzeit-Parkplätze für Fahrräder u.ä. in der Innenstadt.
Breite “Inseln” in der Mitte großer Kreuzungen vorsehen, mehr Haltegriffe an Ampeln, genügend “Sitzbuchten” mit Platz für Rollatoren neben der Bank anstatt mitten auf dem Weg vorsehen.

9. Welche Bedeutung messen Sie dem Verkehrsmittel Fahrrad insgesamt im Hinblick auf eine zukunftsfähige Verkehrsentwicklung der Stadt Ulm bei?

Trotz Bergen ist Ulm gut mit dem Fahrrad zu “erfahren”. Dies muss (auch in Bezug auf den Tourismus) weiter gefördert werden, da diese Art der Fortbewegung einen wichtigen Beitrag zu einem gesunden Stadtklima liefert.

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