Fragebogen: Kulturredaktion

Antworten zum Fragebogen der Kulturredaktion

Was war Ihr schönstes kulturelles Erlebnis in Ulm in diesem Jahr?

 

Das Fest der Kulturen. Durch die Mitwirkung so vieler Nationen wurde die Lebensfreude und kulturelle Vielfalt gefeiert. Nach dem Umzug dann die Infostände der Vereine – einfach klasse! Lediglich der Einzug auf dem Rathausplatz war durch die Bestuhlung etwas chaotisch eng 😉
Der Münsterplatz wäre zukünftig ein idealer Rahmen. 

 

Fast zwei  Millionen Euro hat sich die Stadt in  diesem Jahr den „Ulmer Weitblick“ zum Münsterturmjubiläum kosten lassen.  Hat sich das gelohnt?

 

Ich war ehrlich gesagt nicht sonderlich begeistert vom Ergebnis, auch wenn mir die Grundidee gefallen hat. Es fehlte aber  an lebendigen Aktionen. So hätten Schulen verschiedene Epochen zu bedeutenden “Münsterzeitpunkten” thematisieren können mit Kunstprojekten im öffentlichen Raum oder für einen schönen Umzug.
Das Hin-und-Her um das Münsterkonzert ist leider ebenfalls nicht als Erfolg zu werten.
Das Münsterscanning ist eine interessante Idee, die in neues Licht rückt.
Die “Podeste” mit dem eingeschränkten Blick auf das Münster (“so sah es im Jahre xy aus”) waren eine wirklich schöne Idee, die aber leider teilweise nicht als solche erkannt wird. Solch kleinen Aktionen muss mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.
Es wirkt aber insgesamt leider alles recht nüchtern und sachlich. Wahre Freude und Stolz auf die Leistung der Bürger durch alle Zeiten mag da nicht recht aufkommen, leider.

 

Seit vielen Jahren geistert das Schlagwort  „Europäische Kulturhauptstadt“  herum. Würde Ulm  von einer Bewerbung  profitieren? Welche Projekte würden Sie in Angriff nehmen? 

 

Meines Erachtens nach wäre dies nicht passend. Die Gelder werden besser in direkte Kulturförderung gesteckt, um erst eine lebendigere Szene aufzubauen. Dies ist langfristig sinnvoller und fördert sowohl Kunst als auch Kultur besser als ein einmaliges Mega-Event.

 

Das Donaufest Ulm/Neu-Ulm startete einmal mit  großem Anspruch als überregionales Kulturfestival. Soll es das noch sein oder wieder werden? 

 

Es muss es erst wieder werden. Aktuell steht mehr der kulinarische Konsum im Vordergrund, weniger kulturelles Zusammenarbeiten.
Positiv sind aber besonders die kleinen Aktionen hervorzuheben, die dem Fest Ihren Charme geben, wie u.a. “Die gewollte Donau”. So etwas braucht es mehr, ergänzt durch Kunsthandwerk und lebendiges Brauchtum.

 

Wie lässt sich die Wilhelmsburg als Ulmer Kultur-Schauplatz entwickeln und ausbauen? 

 

Ich würde mir ebenfalls wünschen, die Wilhelmsburg belebt zu sehen. Leider sehe ich dies aufgrund der baulichen Verhältnisse aktuell nicht für alle kulturellen Nutzungen einfach zu lösen.
Als Sommerbühne oder für Märkte u.a. ist das Areal ideal zu nutzen. Gerne auch wetterfester als bisher.
Mit einer verbesserten Erreichbarkeit ist das Areal sicherlich attraktiver zu machen.
Die Innenräume sind aber aktuell kaum geeignet für Kunstschaffende (wenig Licht, fehlende  Abtrennungsmöglichkeiten, keine Installationsarbeiten an Wasser, Elektrik, Sanitär bisher usw).  Hier wird eine große Anstrengung und ein geeignetes Gesamtkonzept nötig.

 

Das Ulmer Museum ist eine ewige Baustelle – wie wird es in Zukunft aussehen? Und sollte es nicht vielleicht ein eigenes  Museum für den Löwenmenschen und die Eiszeitkunst geben?

 

Wie ich an der HFG bereits betont habe, gebührt dem Löwenmenschen eine entsprechende Präsentation, gerne in einem Museum mit Geo-Park und ausserhalb der direkten Innenstadt.
Dies macht das Ulmer Umland attraktiv und bietet neue Möglichkeiten (für Schulklassen, für Reenactment, usw.) Er sollte aber örtlich in der Nähe von Ulm bleiben als zentrales Ausstellungsstück eines eigenen Eiszeit-Museums als Aussenstelle des Ulmer Museums.
Ein Ausbau am aktuellen Standort mit Unterkellerung halte ich für unpassend.

 

Muss die freie Szene gestärkt werden?

 

Definitiv ja.
Gerade kleine Initiativen brauchen Raum, um wirken zu können. Diese können (wie auch der SciFi Verein Zukunftswelten es aktuell tut) in Teilen der Festungsanlagen untergebracht sein. Durch viel Eigeninitiative kann so auch Erhalt der Bauten ohne große Ausgaben realisiert werden.
Gerade auch im Bereich Jugendarbeit wird von der freien Szene viel geleistet (bsp. BBoys). Dies ist definitiv förderungswert.

 

Was fehlt Ihnen kulturell in Ulm? Wenn Sie das Geld hätten, was wäre Ihr Traumprojekt?

 

Es fehlt eine ausgeprägte alternative Szene, echte Sub-Culture. Der Sauschdall ist hier nur ein Tropfen auf den heissen Stein (wenn auch ein besonders feiner). Ausserdem gibt es keinerlei Reenactment-Vereine oder -Gruppen, aus keiner Zeitepoche. 
Es fehlt auch der Mittelalter-Weihnachtsmarkt, das ist sehr schade.
EDIT: Der Mittelalter-Weihnachtsmarkt findet statt!
Wenn ich könnte, würde ich gerne ein Vintage-Wochenende mit Jazz-Swing-Rockabilly veranstalten, wie es in England gerne gemacht wird.
Großer  Flohmarkt mit Kostümverleih und Oldtimer-Treff & Retro-Fahrradfahrer als Sternfahrt nach Ulm holen, auf dem Festplatz Friedrichsau.
Kleine Bühnen mit Jazz, Swing usw. überall in der Au. Gemütliche Picknicks.
Kleine Tanzböden mit Tanzlehrern für Swing, Charleston und andere Dinge.
Straßenkünstler verbreiten die besondere Atmosphäre.
Rasenspiele durch jeweilige Clubs zum Mitmachen für jeden.
Die Musikschulen präsentieren sich mittags.
Fürs Kulinarische besondere Streetfood-Stände abseits von der üblichen Bratwurst.
Abends dann Tanz in der Au mit Lampions und besonderen Abendshows in Zelten und draussen.
Die Anreise mit dem ÖPNV komplett frei. 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.